Label: Golden Angel

Genre: Afrobeats, EDM, Pop
Das letzte Album von Amaarae habe ich als „Banger-Album im doppelten Sinn“ beschrieben – und was 2023 für Fountain Baby galt, lässt sich auch für ihr neues Werk sagen. Die ghanaisch-amerikanische Sängerin, Rapperin und Songwriterin ist mit ihrem dritten Album Black Star zurück. Die Frage: Kann sie an den Abriss ihres Vorgängers anschließen?
Von „Fountain Baby“ zu „Black Star“
Amaarae hat sich in den vergangenen Jahren als kompromisslose Künstlerin etabliert, die ihre Themen unverblümt, direkt und oft mit viel Sex-Appeal anspricht. Fountain Baby war eine wilde Fusion aus Afrobeats, Pop, Humor und Emotionen. Zwischen Flex über Reichtum und queeren Liebesbekundungen bewegte sich Amaarae mit Leichtigkeit – ein Album voller Dringlichkeit und Banger.
Mit Black Star schlägt sie nun eine direktere Richtung ein: weniger verspielt, weniger experimentell, dafür noch stärker auf Club und Ekstase ausgelegt. Afrobeats, House, Trance und EDM bilden das Fundament. Es geht nicht mehr ums Grübeln oder Verarbeiten – es geht ums Feiern, Konsumieren, Flirten und hemmungslose Lust.
Die Clubnacht beginnt
Schon der Opener „Stuck Up“ macht klar, worum es geht. Verzerrte Vocals, elektronische Beats, ein Geständnis („I’m sober? Not likely“) – Amaarae öffnet die Türen zum Club. „Starkilla“ geht noch einen Schritt weiter: ein böser House-Track, dessen Hook aus „Ketamin, Coke and Molly“ besteht. Glorifizierung des Nachtlebens pur – wenn auch mit Abnutzungserscheinungen.
Besser läuft es bei „MS60“, wo Naomi Campbell mit einem gesprochenen Outro glänzt: „They call me a bitch, a villain, controversial diva, no I am the Black Star.“ Ein Statement über Ruhm, Selbstbewusstsein – und ein gelungener Flex.
„Kiss Me Thru the Phone Pt. 2“ mit PinkPantheress zeigt eine andere Seite: sehnsüchtig, verträumt, fast schwer auseinanderzuhalten in den Stimmen, zart und gleichzeitig drängend. Direkt darauf gesteht Amaarae auf „B2B“ ihre Liebe – getragen von einem hypnotischen Amapiano-Beat, durchbrochen von akustischer Gitarre und Streichern. Ein Highlight der Platte.
Ekstase und Eskapismus
„She Is My Drug“ interpoliert Chers Klassiker „Do You Believe” und macht daraus einen sexy Clubtrack, „Girlie-Pop!“ hingegen bleibt insgesamt zu repetitiv. Mit „S.M.O. (Slut Me Out)“ liefert Amaarae aber wieder ein irres, vielschichtiges Brett: aggressiv, explizit, verspielt und musikalisch überraschend.
„Fineshyt“ und „Dove Cameron“ loten Gegensätze aus – zwischen intimer Beziehung und exzessiver Lust, zwischen Falsett und ungewohnt tiefen Vocals. „Dream Scenario“ mit Charlie Wilson wiederum bringt Hyperpop und Gospel zusammen, während „100Drum“ mit Zacari brasilianische Rhythmen und Club-Druck verbindet.
Der Closer „Free The Youth“ ist schließlich eine letzte, chaotisch-fetzige Dembow-Hymne – Amaarae in Reinform, laut, schrill, kreativ.
Fazit
Black Star ist kompromissloser als Fountain Baby: weniger verspielt, weniger verschachtelt, dafür direkter auf die Tanzfläche gezielt. Die Gefahr des schnellen Abhörens ist real – viele Beats und Themen ähneln sich, echte Überraschungen bleiben aus. Aber als Party-Album funktioniert es perfekt.
Amaarae bleibt eine faszinierende Figur im globalen Pop, die queere Lust, Selbstbewusstsein und Afrobeats in ein modernes Clubgewand kleidet. Black Star mag nicht ihr innovativstes Album sein – aber es ist ein starkes, lustvolles Manifest des Feierns.
7/10
Früher Sängerknabe, heute zwischen Fußball, Football und viel Musik. Im Herzen immer Punker.