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The Black Keys – No Rain, No Flowers

Label: Easy Eye Sound/Sony

Genre: Blues Pop/Blues Rock

Die Black Keys waren einmal die unangefochtenen Lieblinge der Rockszene. Vor allem mit Brothers (2010) und El Camino (2011) lieferten Dan Auerbach und Patrick Carney aus Ohio Alben, die Blues- und Garage-Rock in den Mainstream brachten – trocken, roh, mit sofort wiedererkennbarem Sound. Songs wie „Tighten Up“ oder „Lonely Boy“ waren wie geschaffen für Tarantino-Soundtracks und machten die Band zum Aushängeschild des Indie-Rocks der 2010er.

Doch die Wahrnehmung hat sich gewandelt. Spätestens seit 2019 haben die beiden gleich fünf Alben veröffentlicht, doch der stetige Output wirkte zunehmend ziellos. Die Energie der Anfangsjahre wich Routine, die Härte wich einer weichgespülten Produktion. Kommerziell und künstlerisch trat man zuletzt mehr und mehr auf der Stelle.

2023 erschien mit Ohio Players das zwölfte Studioalbum – ein kommerzielles Debakel, begleitet von einer abgesagten Tournee und einem zerbrochenen Management-Verhältnis. Vor diesem Hintergrund scheint das neue Album No Rain, No Flowers fast wie ein Befreiungsschlag zu wirken.

Von Beck zu Rick Nowels: Neues Team, gleiche Probleme

Während die Black Keys zuletzt mit Beck oder Noel Gallagher zusammenarbeiteten, haben sie sich diesmal unter anderem Rick Nowels, Daniel Tashian, Desmond Child, Scott Storch und Leon Michels ins Boot geholt. Große Namen also – doch überraschend wenig davon schlägt sich im Sound nieder. Viele Songs wirken zu ähnlich, zu glatt, zu austauschbar.

Der Einstieg mit dem Titeltrack funktioniert: ein beschwingter Pop-Rock-Song, eher soft, aber harmonisch und mutig als Opener. Doch schon mit „The Night Before“ verfällt die Band wieder ins alte Muster – spannender Beginn, dann Stillstand. So zieht sich eine gewisse Austauschbarkeit durch das erste Albumdrittel.

Routine statt Überraschung

„Babygirl“ klingt wie ein Song, den die Black Keys seit 20 Jahren im Repertoire haben: knarzender Bluesrock, ein paar Piano-Akzente – solide, aber ohne Inspiration. Inhaltlich bleibt es dünn („Babygirl“), musikalisch ebenso.

„Down To Nothing“ und „On Repeat“ folgen demselben Schema: starke Ansätze, die sich nicht weiterentwickeln. Bei „On Repeat“ darf immerhin wieder die Gitarre stärker glänzen, doch das reicht nicht, um den Song über den Durchschnitt zu heben.

„Make You Mine“ versucht es mit Piano, Bass und Streichern – inklusive Falsett von Dan Auerbach. Aber auch dieser Song kippt fast zu sehr ins Weinerliche, die Emotion wirkt eher aufgesetzt als richtig gespürt.

Späte Highlights

Mit „Man On A Mission“ keimt endlich wieder der alte Black-Keys-Sound auf: direkter, riffgetriebener Rock. Klar, auch hier beschleicht einen das Gefühl, das schon besser gehört zu haben – aber immerhin bringt der Song Energie zurück.

„Kiss It“ überrascht mit Entwicklung, Gitarrensolo und Dynamik – hier blitzt das auf, was die Band groß gemacht hat. Leider ist das nicht repräsentativ für das gesamte Album.

„All My Life“ dagegen ist das genaue Gegenteil: ideenlos, repetitiv, spannungsarm – für mich der Tiefpunkt der Platte.

Zum Schluss zeigt „A Little Too High“ zumindest noch einmal kompaktes Songwriting, auch wenn der Refrain auf Nummer sicher geht. „Neon Moon“ versucht sich an Americana/Country, bleibt aber zu langatmig und ohne echten Spannungsbogen.

Zwischen nett und meh

No Rain, No Flowers ist kein Totalausfall, aber auch weit entfernt von den Glanzzeiten der Black Keys. Die elf Songs sind solide – trotzdem bleibt selten etwas hängen. Die Idee, stärker in Richtung Pop zu schielen, ist nachvollziehbar, aber nicht konsequent umgesetzt.

Für eine Band, die mal für staubigen, kompromisslosen Rock stand, ist das zu wenig. Zu glatt, zu austauschbar, zu brav. Es gibt gute Momente („Kiss It“, „Man On A Mission“), aber die reichen nicht aus, um die Platte aus dem Mittelfeld zu heben.

Schwache 6/10