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Joey Valence & Brae – Hyperyouth

Label: RCA

Genre: Rap

Joey Valence & Brae sind das vielleicht spaßigste Rap-Duo dieser Zeit. Ihre Mischung aus Beastie-Boys-Energie, 90s-/Y2K-Throwback und purer Party-Attitüde hat ihnen schon mit No Hands eine Fangemeinde beschert, die Rap wieder mit Humor und Ekstase verbindet. Mit Hyperyouth legen sie nun ihr drittes Album vor – und zeigen, dass sie mehr können als bloß Eskalation, auch wenn die natürlich im Zentrum bleibt.

Die ersten fünf Tracks sind ein einziger Rausch. Der Opener „Hyperyouth“ setzt gleich den Ton, ein Skrillex-Sample im Gepäck, die klare Ansage: „Yes I Came To Dance.“ Alles zieht kompromisslos nach vorne, ohne den Hörer:innen dabei Luft zum Atmen zu nehmen. Nahtlos geht es über in „Bust Down“, wo Joey und Brae mit ikonischen Zeilen um sich werfen – „Sydney Sweeney called me and I hanged up“ – und TiaCorine das Energielevel noch weiter hochschraubt. „Give It To Me“ könnte direkt aus den 90ern stammen, ein Beat wie gemacht für Beastie-Boys-Vergleiche, und auch die Hook bleibt lange im Kopf.

„Is This Love“ markiert den ersten Bruch: ein Versuch im R&B-Rap-Stil, aktuell im Trend von Tyler, JID oder Kendrick. Überraschend ehrlich, wenn auch textlich weiterhin absurd-verspielt – und doch eine gelungene Abwechslung.

Ein echtes Highlight der Platte ist „See U Dance“ mit Rebecca Black. Hier stimmt alles: ausgelassene Stimmung, drängende Drums, Vocals, die vor Freude sprühen. Rebecca Black liefert eine großartige Performance und zeigt, wie weit sie sich von ihrem einstigen Meme-Status entfernt hat – für mich einer der besten Popsongs des Jahres.

Unerwartete Tiefen

Mit „Party’s Over“ folgt ein Bruch, der leider nicht funktioniert. Statt als Closer fungiert das Stück mitten im Album als Stimmungsbremse. Die Intention – Reflexion über Freundschaft und das Ende unbeschwerter Zeiten – ist stark, die Umsetzung dagegen lahm und schleppend. Ein Skip-Moment, der die Dramaturgie stört.

Doch gleich darauf zünden Joey & Brae wieder die Eskalation: „Wassup“ mit JPEGMAFIA ist ein Feature, das nicht nur auf dem Papier wild klingt, sondern in der Umsetzung ein brutaler Banger wird. Peggy passt perfekt in die ausgelassene Energie des Duos.

In der zweiten Albumhälfte wechseln sich Partysongs wie „Go Hard“ oder „The Party Song“ mit Coming-of-Age-Tracks wie „LIVE RIGHT“ ab. Letzterer ist eine Hymne auf Freundschaft und Jugend, mit Nostalgie, Sorgen und sogar einer Outkast-Anspielung („Ms. Jackson“) – einer der schönsten Songs des Albums. „Have To Cry“ und „Myself“ sind weitere Versuche, ernste Themen anzuschneiden. Sie sind solide, auch wenn man merkt, dass Joey & Brae noch auf der Suche nach der richtigen Balance zwischen Tiefgang und Lockerheit sind.

„Billie Jean“ bietet gute Ansätze, steigert sich gegen Ende und bringt noch einmal Schwung, bevor „Disco Tomorrow“ als Closer fast schon zu pompös und langatmig wirkt. Fünf Minuten mit viel Bass, viel Pathos – vielleicht ein Versuch, größer zu klingen, als es nötig gewesen wäre.

Fazit

Hyperyouth ist ein Album voller Euphorie, Banger und Spaß – genau das, wofür Joey Valence & Brae stehen. Gleichzeitig trauen sie sich an persönlichere Themen, was nicht immer gelingt, aber zeigt, dass die beiden mehr wollen, als nur die nächste Partyhymne zu schreiben. Und wenn sie das richtige Gleichgewicht finden, könnte da künftig noch viel mehr kommen.

So oder so: Wer Beastie-Boys-Vibes liebt und Lust auf pure Ekstase hat, wird hier bestens bedient. Hyperyouth ist eines der besten Party-Alben des Jahres, randvoll mit Energie, Humor und Songs, die einen sofort in Bewegung bringen.