Best of K-Pop August 2026
Der August war vollgepackt mit Comebacks von Branchengrößen, hat uns außerdem noch das ein oder andere Debüt beschert und absolute Überraschungs-Banger parat gehabt. Willkommen zur K-Pop-Trackrundschau des vergangenen Monats.
Wie immer gilt: Die Bias-Wertung steht nur am Bild und hat keinen Einfluss auf den tatsächlichen Score. Gewertet wird von A+ (absolute Perfektion) bis F (absoluter Totalausfall).
Ourbirthday – Squeezy (B)
Jetzt ist es passiert: Nmixx sind Seniors geworden, weil man bei JYP mit Ourbirthday eine neue Girlgroup debütieren ließ. Sieben Member und ein Titletrack mit „Squeezy“, der richtig Funk mitbringt. Ist jetzt nicht unbedingt das innovativste Soundbild, das man sich ausdenken kann, aber kommt eigentlich recht cute für eine noch junge Gruppe – auch wenn „Squeezy, easy, yeah, squeezy, yeah, kick that“ doch ein wenig…sagen wir mal gewöhnungsbedürftig ausfällt. Aber was den Sound angeht, kann das schon was werden, da steckt eine große Retro-Komponente dahinter. Und der Track ist einfach ein Ohrwurm, da kann man nichts machen. Definitiv besser als die Pre-Single „Hungry“.
Tuide – Sun Kiss (B+)
Ich gestehe – dieser Track ist bei mir seit der Review der Debüt-EP „Tune & Play“ gewachsen. Tuide, die neueste Girlgroup unter Hybe, hat aktuell noch ein bisschen mit Hype-Problemen zu kämpfen, bisher schreien noch nicht sehr viele Menschen nach den (sehr jungen) Membern. Dabei setzt man auf eine altbekannte Formel: NewJeans-Vibes. Die kann man hier nicht überhören, diese Mischung aus Zurückhaltung und Anziehung in einer verträumten Produktion hat einfach etwas. Bossa-Nova-Rhythmus zum Mitgehen – und auch wenn ich die Hook vor ein paar Tagen noch als sehr sicher bezeichnet habe, finde ich das immer ordentlicher. Angenehm leichter Track, der mir allerdings noch nicht verrät, was Tuide eigentlich vorhaben. Einfach nur NewJeans kopieren? Okay, das hab ich jetzt nicht gesagt, vergessen wir das bitte wieder sehr schnell.
Jennie – Fallen Angel (C+)
Nachdem ich „Less Than A Lover“ schon nicht sonderlich gefeiert habe, holt mich Jennie auch mit „Fallen Angel“ nur bedingt ab. Das ist der nächste enorm ruhige, liebliche Track – und ich glaube, ich werde mit dieser Bed-Room-Selena-Gomez-Anno-2017-Jennie-Version einfach nicht warm. Vor einem Jahr hat sie noch mit „Like Jennie“ so ziemlich alles ab- und eingerissen, jetzt wird’s ein bisschen zu brav für meinen Geschmack. Was nicht bedeutet, dass Jennie in diesem Umfeld nicht auch funktionieren würde…aber diese Selena Gomez-Pastiche ist mir einfach zu basic. Ein netter Song, gemacht fürs Radio, ohne Ecken und Kanten, aber definitiv mit der Fähigkeit, länger im Ohr zu bleiben.
Cortis – MoneyMoneyMoney (F)
Cortis surfen ja auf einer massiven Erfolgswelle und haben dieses Jahr mit „RedRed“ schon einen Überhit produziert. „MoneyMoneyMoney“ aus der extended Version ihrer „GreenGreen“-EP ist hingegen ein echter Graus. Hier tut man wirklich gar nichts, eine fürchterliche Hook, eine Produktion, die die Vocals fast schluckt. Ein Genuschel ohne jeglichen Mehrwert, 2:20 Minuten, die man nie wieder zurückbekommt. Damit bleiben sich die Senkrechtstarter gewissermaßen auch treu – auf einen Banger folgt in der Regel ein musikalisch schwächerer Track. Dieses Mal hat man das aber an die Spitze getrieben. Wäre die Bassline nicht, müsste man von einem Totalausfall sprechen. Ich will diesen Song nicht noch mal hören müssen.
NCT 127 – Blingy (B-)
Vielleicht nicht der größte Banger, den NCT 127 jemals rausgehauen haben, aber immer noch ein ziemlich gelungenes Ding. Ich mein klar, dass sie derzeit nur zu fünft unterwegs sind (weil mit Doyoung und Jungwoo zwei Member noch den Präsenzdienst leisten), ist schon noch gewöhnungsbedürftig. Aber tut nichts zur Sache, im Video geben die restlichen Idols wie üblich alles. Musikalisch geht man nicht immer aufs Ganze, deutet aber trotzdem noch an einigen Stellen ihre charakteristisch wilde Seite an. Lyrisch ist „Blingy“ hingegen eindeutig ein Vertreter der Kategorie „irgendwas“.
Enhypen – Bloody Paradise (C+)
Das erste Comeback ohne Heeseung und wie es scheint, ist die Fanbase immer noch extrem zuverlässig: Mit „Bloody Paradise“, dem Titeltrack ihrer neuen EP „The Sin: Bliss“ dominierten sie erst letzte Woche alle Musicshows Südkoreas und legten einen „Grand Slam“ hin – fünf Shows, fünf Siege. Der Track an sich ist vollkommen okay, man versucht sich – wie so viele derzeit – ein bisschen an brasilianischen Einflüssen, die in einem ziemlich repetitiven Refrain gipfeln. „We’re going MIA…come, touch me, party-arty / In our bloody paradise“ – geht schon ins Ohr, aber es passiert halt einfach nicht viel, auch wenn die Bläserstrukturen noch ein bisschen Wumms reinbringen. Gesanglich bleibt man auch auf der sicheren Seite. Der letzte Punch fehlt aber, der Track endet zu schnell und irgendwie auch nicht, weil man in den etwas mehr als zwei Minuten schon nach der ersten Hook alles gehört hat. Macht doch mal ein bisschen länger und eskaliert ein bisschen!
Alpha Drive One – Born Dire (B-)
Hier wird mal ordentlich der Turbo gezündet, auf einem schnellen Drum-and-Bass-Teppich wird hastig gerappt und gesungen. Nach dem Motto: Einfach nur nach vorne ziehen und mit richtiger Intensität die Leute mitreißen. Funktioniert zum größten Teil erstaunlich gut, die Energie ist der Gamechanger für diesen Song. Dazu gibt’s ein paar Verzerrungen dank der E-Gitarre und die Hook, auch wenn sie extrem einfach gepolt ist, bleibt hängen. Großartige Melodien sucht man auf „Born Dire“ hingegen vergeblich, aber die Richtung für Alpha Drive One stimmt mit diesem Song zumindest. Mal schauen, was sie in Zukunft noch machen.
Bigbang – BiiiG (B)
G-Dragon, Taeyang und Daesung mit dem ersten richtigen Bigbang-Song seit 2022 und das ist schon ziemlich ordentlich geworden. Die vielseitige Produktion sticht hervor – bis die Hook kommt und durch den leicht flachen, einfach gestrickten Wiederholungs-Marathon von „Everything Big Big Big Big“, einiges an Dynamik einbüßen muss. Das ist das größte Manko des Tracks und auch – wenn man sich so umhört – der essentielle Kritikpunkt. Ansonsten find ich den Aufbau gut und variabel: Von den Gesangsmelodien bis zum typischen Rap. G-Dragon ist sowieso in einem brutalen Run. Wird nicht in die Geschichte der großen Bigbang-Banger eingehen, aber macht schon Bock auf mehr.
Stray Kids – This & That (B-)
Die Stray Kids mit einem ihrer typischen Tracks, der aber unterm Strich eigentlich viel zu zahm ausfällt. Verglichen mit „Run It“, ihrer „WM-Hymne“, ist der Titletrack „This & That“ ein energetischer Rückschritt. Die Hook geht zwar gut ins Ohr – das liegt aber auch daran, dass man einfach immer hin und her mit „This & That“ jongliert. Da fehlt das echte Feuer, was schade ist, weil eigentlich schon was drinnen gewesen wäre – in der Produktion gibt es dynamische Ansätze, aber das Songwriting an sich kommt selten vom Fleck. Jedenfalls ist das Anhören hier auf eigene Gefahr – könnte sein, dass man das Lied länger nicht mehr aus den Gehörgängen bekommt.
Red Velvet – Surfin’ Boy (B+)
Zwei Jahre haben sie sich Zeit gelassen, nur um in ihrer absoluten Parade-Zeit zurückzukehren: Ein Sommer ohne Red Velvet ist eigentlich nicht mehr denkbar. Der Titeltrack „Surfin’ Boy“ ist ein Grower, spielte mir persönlich am Anfang ein bisschen zu sicher, aber wie üblich krallen sich Red Velvet meine Gehirnwindungen und setzen eine Hook in mein Ohr, die nicht mehr schwindet. Ja, das ist schon teilweise generisch, aber doch charmant. Die Choreografie unterstreicht den Song perfekt, die Harmonien sind sowieso göttlich und die Bridge baut noch mal ein wenig Drang auf. Ein atmosphärischer Song, den Joy mitgeschrieben hat.
Odd Youth – Can’t Go Back (A)
Okay, damit konnte nicht gerechnet werden: Einer der größten Banger dieses – naja, eher bescheidenen – K-Pop-Sommers kommt ausgerechnet von Odd Youth und damit schon mehr oder weniger von einer Nugu-Gruppe. Aber die fünfköpfige Girlgroup unter TOP Media hat einen ziemlich genialen Schachzug vollzogen und sich mit dem Produzentenduo Sweetune zusammengetan, die nach Jahren der Abwesenheit damit wieder ihr Comeback feiern. Und herausgekommen ist ein fantastischer Track mit traumhaften Synthesizern, einer enorm bunten Produktion und Atmosphäre, die große Euphorie auslöst. Das ist wirklich eine tolle Hymne geworden mit ansteckender Dynamik. Man kann hier nicht viel kritisieren, sondern wird einfach in der Hook lautstark mitmachen. Keinen Plan, ob Odd Youth damit einen Turnaround hinlegt und jetzt voll durchstartet – aber diesen Song wird man definitiv in Erinnerung behalten. Banger!
Nowz – Achilles (B+)
Einen starken Disco-Song bekommen wir von Nowz geschenkt. Sehr funkelnd, sehr funkig und synthlastig, meandert man relativ leichtfüßig durch die Takte und in weiterer Folge auch über die Tanzfläche. Die Bridge bringt einen kleinen Stimmungswechsel in dramatischere Gefilde, ehe doch wieder in Richtung des zuvor etablierten Themas aufgelöst wird. Die Synthis leisten jedenfalls ganze Arbeit und der Falsett-Gesang der Member kommt darauf schön kontrastreich durch. Überhaupt stimmt die Dynamik an den wichtigen Stellen. Zwar ist die Hook eher auf der monotonen Seite, aber insgesamt passiert einfach zu viel, als dass da irgendeine Form der Langweile aufkommen würde. Luftiger Song, sehr gut gemacht.
Nexz – Saucin’ (B+)
Die Vengaboys haben ihre Synthis ganz offenbar in Südkorea vergessen und Nexz haben sich gedacht, wir nehmen uns diese Beats und knallen mal einen Eurodance-Banger raus. Dieses Lied ist wirklich vollkommen albern – noch nicht H.O.T-albern – aber es macht dementsprechend halt einfach nur Spaß! Ja, das ist alles übertrieben und kann nerven, aber wenn man das alles nicht zu ernst nimmt, dann kann man schon gute drei Minuten haben. Weil man auch immer wieder Momente einbaut, in denen man kurz Kraft sammeln kann, ehe der Bumms wieder von vorne startet. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein generelles Revival von Eurodance begrüßen würde (das eigentlich ja schon im Gange ist) – aber in regelmäßigen Abständen ist das nicht nur nostalgisch akkurat, sondern halt auch sehr lustig.
Jun. K – Your Lips (ft. Wendy) (A-)
Ein Lied, das von der Chemie zwischen Jun. K und Wendy lebt und relativ schnell deutlich macht, dass hier zwei Main Vocalists aufeinandertreffen. Dieses Lied hat eine wahnsinnige Anziehung, es ist ein ultrasmoother R&B-Song, der auch ein wenig Disco mitbringt. Das einzige, was dem Lied noch fehlt, ist ein letzter Höhepunkt, eine kleine stimmliche Eskalation von den beiden. Aber sonst ist das eines der angenehmsten Hörvergnügen und auch ein Beweis dafür, dass man immer noch gelungene Duette bringen kann.
TNX – Die Another Day (B)
Doch mal was Neues von TNX was das Soundbild anbelangt: „Die Another Day“ wird von einer groovigen Gitarre dominiert, die damit neue Türen für die Gruppe öffnet. Das Falsett ist dafür an der ein oder anderen Stelle ein bisschen zu schrill und hinten raus bekommt das Lied die ein oder andere Länge. Was aber nicht bedeuten soll, dass man andere Sequenzen des Songs nicht doch ziemlich feiern kann. Definitiv einer der besseren TNX-Tracks.
Girls‘ Generation-HRS – Skibidi (A-)
Ein Meme-Song von einer Gruppe, die eigentlich auch nur aus reinen Unterhaltungszwecken entstanden ist: In der Serie „Fake Kim Hyoyeon“ hat Hyoyeon einfach mal die Prämisse aufgebaut, ein neues Team zu gründen, das mit Girls‘ Generation-TTS konkurrieren könnte, also mit der erfolgreichen Subunit von Taeyeon, Tiffany und Seohyun. Yuri und Sooyoung sind dann dazu eingestiegen, und die drei haben komödiantisch – und ich denk auch ziemlich ungeskriptet – um Positionen wie Hauptstimme, Center und Main-Dancer gestritten. Über mehrere Folgen ist das „eskaliert“ – sie sind sogar tatsächlich bei SM aufgetaucht, um einen echten Song zu bekommen, der mit dem jungen Publikum auch gut resoniert. Daher hat man sich auf „Skibidi“ geeinigt und obwohl das hier alles nicht so ernst genommen werden sollte, ist einfach ein starker House-Rap-Hybrid herausgekommen. Da gibt’s eine wirklich gute Entwicklung mit unterschiedlichen Dynamiken und Vortragsweisen. HyoRiSoo soll bitte weitermachen – zumindest mit den Webshows.
ARTMS – Blue Blood (B+)
Uff, zum Glück blieb der Fehlgriff von „Born Stunner“ nur eine einmalige Sache: Artms haben mit „Blue Blood“ wieder zur gewohnten Stärke zurückgefunden. Kann natürlich auch daran liegen, dass dieser Hyperpop-Ansatz ohnehin bei mir zieht – aber auch ohne Genrebias muss man zugeben, dass dieses Lied so stur nach vorne drängt, dass man einfach zwangsläufig mitgerissen wird. Hohes Tempo, trotzdem noch sehr gute, unterschiedliche Melodiebögen. Bitte wieder mit diesen Sounds weitermachen, das steht Artms einfach zu gut.
KiiiKiii – Pop Off Pop Off (A+)
Man darf es vermutlich schon jetzt, Anfang September, sagen: KiiiKiii werden dieses Jahr diejenige Gruppe sein, die die besten K-Pop-Songs veröffentlicht hat. Nach „404 (New Era)“ oder dem erst im Juli als Vorbote für die neue EP erschienenen „Candy Pink Magic Hole Flip Phone“ hält auch der Titletrack „Pop Off Pop Off“ was er verspricht. Ein Song, der direkt aus der Feder von Ke$ha stammen könnte, alles hier erinnert an den Sound, den man Ende der 00er- bzw. Anfang der 10er-Jahre gemacht hat. Was aber kaum stört, mittlerweile ist wieder mehr Raum für ein Revival dieser Soundkonzepte. Bedeutet konkret: Fast verhaltener Beginn in den Vocals, Steigerung zur Hook mit einer Menge Auto-Tune, dazu noch prominente Synthesizer und ein bisschen Chaos im Post-Chorus, was zu Live-Eskalationen führen kann. KiiiKiii singen über schmelzendes Eis, Flip-Flops, Sandburgen, Digicams, vergessenen Sonnenschutz, Tanlines in einem musikalischen Umfeld, das man in der K-Pop-Welt derzeit nicht geboten bekommt – zumindest nicht in dieser Dichte und trotz aller Gen-2-Referenzen, die langsam aber sicher punktuell von der Branche gesetzt werden. Die gesamte „WhyKiiiKiii“-EP ist großartig, checkt die Review dazu aus.
Titelbild: JYP