Best of K-Pop Juli 2026
Der Sommer im K-Pop ist und bleibt eine besondere Zeit. Hier gibt’s meine Wertungen zu den Releases, die mir im Juli am meisten aufgefallen sind. Gewertet wird von A+ (absolute Perfektion) bis F (absoluter Totalausfall).
Girlset – Chat (A)
Starten wir gleich mit einer sicherlich kontroversen Meinung: Ich liebe den neuen Girlset-Song. Sogar so sehr, dass ich keinen anderen im Juli öfter gehört habe. Als Dance-Pop-Fan der untypische Strukturen zu schätzen weiß, kann ich auch gar nicht anders, als das Ding zu feiern. Muss man vermutlich öfter hören, damit der Track richtig ballert. Zugegeben, mit dieser Richtung hat Girlset wohl so ziemlich alle überrascht und natürlich sind die Vergleiche mit Katseye dadurch nicht weniger geworden. Aber „Chat“ steht der Gruppe: Starker Drang nach vorne, der Beat peitscht richtig an, die Melodien verdichtet und in der Hook aufgelöst und vokal wird schön dosiert (inklusive Lexis massiver Bridge). Vor allem im Zusammenspiel mit der Choreo kann man da nur die Höchstwertung geben.
Aespa – Kiss & Tell (A)
Aespa kommen mit einem fantastischen japanischen Release zurück. Da bounct alles und auch wenn man nicht unbedingt sofort erkennt, dass es sich um einen aespa-Track handelt, weil alles so ungewohnt luftig und locker aufschlägt, passt dieser Song einfach perfekt in den Sommer. Vor allem der letzte Teil des Lieds, den der Synthesizer für sich beanspruchen darf. Hochenergetisch, wunderbares Instrumental, das den Track auch trägt. Vokal auch gut, die Melodie hätte aber noch ein bisschen mehr Raffinesse vertragen.
Rescene – Pretty Girl (A)
„Pretty Girl“ wurde in der Original-Version von KARA schon zu einem Kultsong und Rescene sorgen dafür, dass auch eine neue Generation diesen Bop lieben wird. Ich habe in einem Reel schon darüber gesprochen, warum dieser Track einfach perfekt zu Rescene passt und ja – kann man nicht bewerten, wird man aber trotzdem lieben.
i-dle – Gimme Dat Love (C)
Ach i-dle. Warum gibt’s hier keine richtige Hook sondern nur „lalala“-Wiederholungen? Man huldigt hier den Afrobeats, baut dann auch noch ein Pfeif-Instrumental ein und will da schon ziemlich in Richtung Tyla schielen – aber es passiert halt leider nicht sonderlich viel. Der Song an sich hätte vielversprechende Strophen, aber die Hook nimmt jegliche Spannung raus. Echt schade, so kann sich ein zweieinhalb Minuten dann plötzlich länger anfühlen als er eigentlich ist.
Yeonjun – Ice Cream (C)
Klingt ein bisschen nach einem Überbleibsel einer sehr frühen Justin Timberlake-Ära mit einem Neptunes-Beat. Gibt’s schon hunderte Male, klingt auch so aufgewärmt nicht sonderlich interessant. Durchschnittlicher Track, bei dem sich keiner der Beteiligten so richtig aus dem Fenster lehnt.
fromis_9 – Vitamin Me (A-)
Nachdem sie letztes Jahr den Sommer schon mit „Like You Better“ eroberten, legen fromis_9 mit „Vitamin Me“ auch heuer wieder einen echten Hit für die warme Jahreszeit hin. „Vitamin Me“ ist hochgradig ansteckend, die Hook bezaubernd und hüpfend, locker und verspielt, dazu noch ein akzentuiertes, passendes Instrumental – man kann sich nicht mehr wünschen. Gut, der „A,B,C“-Teil ist vielleicht ein bisschen gar einfach gestrickt aber was soll’s? Dieser Track darf gerne länger im Ohr bleiben.
Kard – Back To Life (B)
Wie’s mit KARD weitergeht, weiß noch niemand so richtig, man trennt sich mal von DSP und lässt sich alle Optionen offen. Mit „Where to Noe? (Pt.2): Nowhere“ hat man jedenfalls ein neues Album mit einem passenden Titel veröffentlicht. Der Titletrack daraus versprüht sehr gute Stimmung, fällt mir in der Hook aber melodiös zu generisch aus. Einen Monat früher und der Song wäre noch optimal in die Periode der WM-Lieder gefallen. Da ist viel Abwechslung drin, auch wenn nicht jeder Kniff vollständig sitzt.
Young K – Shut The Door (A)
Idol-Rock-Bands sind so eine Sache, aber Day6 zählen definitiv zu den spannendsten und auch besten: Weil alle Member wirklich sehr gut singen können. Young K zeigt das auch auf „Shut The Door“ – dieses Lied ist für große Hallen gemacht, kommt zunächst fast zurückhaltend, legt im Chorus dann aber richtig los. Die Social Media-Kampagne läuft auch exzellent, zahlreiche namhafte Idols von anderen Gruppen singen mit Young K und ja, ich hätte jetzt eigentlich gern ein Remix-Album mit den unterschiedlichen Versionen des Songs. Angefangen von Lily, Kazuha und Liz – aber das ist ein anderes Thema. Sehr starker Track!
AHOF – Run To You (B)
Zweifellos ein Ohrwurm, aber halt auch ein Track, der es sich zunächst ein bisschen zu leicht macht. Man setzt auf einen Standard-Beat, melodiös ist eigentlich nur der Pre-Chorus wirklich spannend, dafür bringen die Rap-Strophen dann mehr Schwung. Dadurch wird der Track nicht nur gerettet, sondern auch zu einem sehr soliden Hörvergnügen.
Wonho – Don’t Wake Me Up (A)
Wonho bringt uns einen der härtesten Club-Banger des bisherigen K-Pop-Jahres (an dieser Stelle sei noch mal Hyo mit „Moveyourbody“ vom März erwähnt). Ein brutales Beat-Geflecht, dazu Wonhos Vocals, die kraftvoll durch den Song führen und trotzdem in manchen Momenten gar an The Weeknd erinnern. Strukturell hätte man ein paar Wiederholungen des Chorus verzichten können und dafür die angedeutete Bridge noch voller ausbauen können – aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Ein Banger.
J.Y. Park – Wet (C)
„Just Call Me JYPapi“ – er sagt es wirklich. Das ist schon ziemlich lustig. Vorweg: JYPapi ist in bestechender Form. Mit Anfang 50 bewegt er sich immer noch wie seine Trainees. Dafür ist sein neues Lied nur durchschnittlich: „Wet, wet, wet, sweat, sweat, sweat“ – ja, ich weiß nicht so recht. Aber trotzdem ist alles hier ziemlich amüsant, JYP setzt seinen Humor auch bewusst ein. Ich glaub, für den Sommer geht das in Ordnung und skippen wird man das Ding auch nur selten. Wenn man dann einen Clip von seiner Performance sieht, kann man eh nicht nicht hinschauen. Beim ESC würde es sicher für einen Top 20-Platz reichen.
Lexie Liu & Yves – Pop Girl (B+)
Nachdem es schon auf der letzten Yves-EP mit der Zusammenarbeit sehr gut geklappt hat, machen die beiden einfach weiter. Und schon wieder ist ein starker Clubsong herausgekommen, auch wenn nicht mehr ganz so viel melodiöse Passagen drinnen sind, als noch in „Break It“. Trotzdem ein sehr ansteckender Banger.
ASCENDER – We Belong Together (A-)
Ich habe von dieser Gruppe noch nichts gehört – was auch nicht verwundert, weil diese fünfköpfige Boygroup unter HOWLING Entertainment mit diesem Track debütiert. „We Belong Together“ ist ein Dance-Pop-Feuerwerk: Verträumt, schwungvoll, schöne Harmonien, starke Dynamik, sowohl in der Produktion als auch in den Vocals. Eine echte Zuspitzung wäre noch das i-Tüpfelchen gewesen, aber auch ohne darf man glaub ich sagen, dass das eines der besten Debüts in diesem Jahr ist – hoffentlich kann man da die Promo-Trommel anwerfen, weil da hat man eventuell ein Juwel gefunden.
Jennie – Less Than A Lover (C-)
Jennie macht jetzt mal Bedroom-Pop und wenn „Less Than A Lover“ einfach so vom Algo ausgespielt werden würde, könnte man gar meinen, dass es sich um einen Selena Gomez-Song handelt. Das Lied macht nichts falsch, aber auch nichts besonders richtig. Ein bisschen zu viel Hintergrundmusik und zu wenig Persönlichkeit.
Artms – Born Stunner (C)
Loona war eine wirklich sehr coole Combo und Artms hat letztes Jahr als Nachfolgeprojekt auch schon sehr gute Akzente setzen können. Dieses Mal zeigen sie sich allerdings ein bisschen zu einfallslos. Ein Flex-Track der auf die üblichen Elemente baut: Attitüde durch schnellere Sprechgesang-Passagen und dazu noch AAVE, was niemals gut kommt. Also das war wirklich keine Offenbarung, ist maximal okay.
Hyolyn – Check (C+)
Direkt aus dem Y2K-R&B-Gedächtnisbuch herauskopiert, erinnert „Check“ an Beyoncés Solo-Anfänge. Nur, dass Hyolyn keine Beyoncé ist und der Sound dementsprechend auch nicht mehr sehr frisch klingt. Vocal holt Hyolyn aber noch alles raus, trotzdem hat man dieses Lied schon gehört, bevor es sein eigentliches Ende erreicht hat. Ich mag aber den Pre-Chorus, im atmosphärischen kommt ihre Stimme noch viel besser durch.
ILLIT – I Got Your Back (ft. Jisoo & Momoka (Hana)) (B+)
Japanischsprachiger Pop-Rock von Illit, dazu noch ein Feature mit zwei Mitgliedern der beliebten J-Pop-Gruppe Hana – was kann da schief gehen? Sehr wenig! Ein sehr spaßiger Track der keine Zeit verschwendet, leider aber zu abrupt endet. Abgesehen davon aber ein weiterer sehr ansprechender Release von Illit, die Hooks einfach beherrschen. Das ist auch hier der große Pluspunkt.
KiiiKiii – Candy Pink Magic Hole Flip Phone (A+)
KiiiKiii hat ein herausragendes Jahr. Nach „404“ gibt’s jetzt mit „Candy Pink Magic Hole Flip Phone“ das nächste Brett – ein Hyperpopfest von vorne bis hinten, das in manchen Momenten so dermaßen nach vorne zieht, dass man sich an die besten Phasen von Charlis „How I’m Feeling Now“ erinnert fühlt. No notes. Für mich der beste K-Pop-Song des Monats.