Bruno Mars – The Romantic
Label: Atlantic

Genre: Soul, R&B, Funk, Disco
Zehn Jahre Funk-Warten für ein Malen-nach-Zahlen-Album? Bruno Mars ist mit „The Romantic“ zurück, doch statt eines musikalischen Feuerwerks liefert das Album leider nur eine perfekt glattpolierte Kopie der Vergangenheit.
Zehn Jahre hat es gedauert, bis Bruno Mars wieder ein neues Album veröffentlicht. Der Mann, der zusammen mit Mark Ronson den Funk zurück in den Mainstream geführt und mit „24K Magic“ die Poplandschaft geprägt hat, lieferte später mit Anderson .Paak als Silk Sonic ein starkes Album ab, in dem Funk, Soul, R&B, Pop und Rap aufeinandertrafen. Mit Lady Gaga und Rosé folgten zwei der größten Hits der jüngeren Vergangenheit: „Die With A Smile“ und „Apt.“
Jetzt ist Bruno Mars wieder vollkommen eigenständig unterwegs und bringt mit „The Romantic“ sein neuestes Projekt. Neun Tracks, nicht sonderlich viel, aber immerhin etwas Neues. Wie schon bei Silk Sonic hat sich Bruno Mars einer starken Retro-Note verschrieben – „The Romantic“ ist voller Soul, Funk und Disco im Anstrich der Motown-Jahre. Wer auf die 60er und 70er steht, wird an der Platte Gefallen finden. Immer wieder vermischt er diese Soundkleider zusätzlich mit Latin-Einflüssen: Mariachi-Trompeten, Bachata-Rhythmen oder ganze Ausflüge Richtung Latin-Pop.
Aus seinem Solo-Winterschlaf erwacht ist er zunächst mit „I Just Might“, einem typischen Disco-Funk-Soul-Pop-Track, der sich locker hören lässt, aber auch stark nach Schema F anfühlt. Bruno Mars weiß, was die Leute hören wollen, und gibt ihnen genau das – was gleichzeitig bedeutet, dass er seine eigenen musikalischen Visionen hinten anstellt. Immer wenn der Track eine spannende Wendung nehmen könnte, biegt er lieber wieder in die vertrauten „Dudududu“-Chöre ab, die er seit Jahrzehnten perfektioniert hat. Gut für die Charts – der Song wurde ein Erfolg –, bitter für alle, die sich musikalische Entwicklung gewünscht hätten.
So fühlt sich das gesamte Album an: massiv Pastiche alter Sounds, ohne den Drang, eine eigene Note einzubauen. Müsste nicht unbedingt sein, wenn es sich um eine bewusste Hommage handelte – aber genau das ist „The Romantic“ nicht, schließlich trägt die Platte allein Bruno Mars‘ Namen. Da steckt zu wenig von ihm selbst drin. Gefühle gibt es zwar, aber das Fleisch fehlt.
Lyrisch gibt er sich mitunter wirklich sorglos: In „Something Serious“ wünscht er sich unverblümt Nachwuchs mit seiner Angebeteten, in „Cha Cha Cha“ sind die Lyrics des gesamten Tracks schlicht albern. Unterm Strich ein maximal durchschnittlicher Song, der sich weder musikalisch noch textlich hervorhebt.
„Risk It All“ als Opener mit Bläsern und Streichern ist eine Ansage; der wenig später einsetzende ruhige Ansatz gelingt dabei gut – schön gesungen, mit passendem Rhythmus, während Bruno Mars erklärt, alles für seine große Liebe zu tun. Besser wird es in „God Was Showing Off“, wo etwas mehr Jazz regiert, ein klassischer, dynamischer Doo-Wop – inhaltlich aber sehr basic, wenn er seine Angebetete mit Engeln vergleicht.
Es folgt eine fette Soul-Ballade in Form von „Why You Wanna Fight?“ – ruhiges Tempo, voller Fokus auf die Vocals, die aber eher unangenehm ausfallen. Er fragt darin, warum man streiten wolle, statt lieber die Nacht in Liebe zu verbringen – vielleicht eine Hymne fürs Versöhnungssex-Repertoire.
„On My Soul“ zieht das Tempo wieder an, kommt groß daher, schafft es aber ebenfalls nicht, aus sich herauszugehen oder Innovation zu bringen. Standardprozeduren, die einem Schreiber wie Bruno Mars eigentlich nicht gerecht werden – kein Song auf dem Album ist schlecht, aber auch keiner überragend gut oder stark. Für „Something Serious“ gilt dasselbe, nur mit zusätzlichen textlichen Ausfällen. Wer Motown-Sound hören will, hört besser das Original statt einer Kopie ohne eigene Persönlichkeit.
Mit „Nothing Left“ kehrt der Herzschmerz zurück, ebenso die modernere Version von Bruno Mars – trotzdem wirkt das Lied behäbig. Der Closer „Dance With Me“ ist Heiratssong Nummer 327 aus seiner Feder, dick aufgetragen und ein bisschen schnulzig.
„The Romantic“ ist unterm Strich ein okayes Album, das sich bei häufigerem Hören stark zieht, weil man die Songs nach dem ersten Durchlauf schon kennt und es nichts Neues zu entdecken gibt. Zu sehr auf Nummer sicher gespielt – schade, aber es gibt definitiv schlechtere Mainstream-Alben.
Schwache 5/10