Janka – Nicht von dieser Welt

Label: Feber Wolle

Genre: Deutsch-Pop

Der musikalische Fußabdruck, den Wir sind Helden auch vierzehn Jahre nach ihrem Rückzug hinterlassen haben, lässt sich allein schon anhand der vielen jungen Bands ableiten, die sich die Hamburger/Berliner Band immer noch zum Vorbild nehmen. So gekonnt über Beziehungen und den Alltag zu schreiben, wie es Judith Holofernes tat, gilt als erstrebenswertes Ziel. Die Innsbrucker Band Janka versucht sich auf ihrem Debütalbum „Nicht von dieser Welt“ an ebendieser Disziplin: Texterin, Sängerin und Gitarristin Bianca Ehrenstraßer schreibt über leere Sozialakkus, Oversharing und Geghostet-Werden, über das große Drama im banalen Alltag und über die Frage, ob man auf dem richtigen Planeten gelandet ist. An ihrer Seite stehen Carole Bidaine (Trompete, Posaune und Keys), Finn Achatz (Schlagzeug) und neuerdings auch Mathias Gangkofner (Bass), der den bisherigen Bassisten Martin Bayer ersetzt. Neue Neue Deutsche Welle ist ohnehin wieder in: Sowohl verträumter als auch antreibender Deutsch-Pop wurde schon von den Helden salonfähig gemacht. Janka trifft damit offenbar schon jetzt einen Nerv.

Seit 2024 bringt die Gruppe in Eigenregie Musik heraus, Anfang 2026 haben sie mit der Single „Wenn du dann weg bist“ beim Wiener Label Feber Wolle richtig Fahrt aufgenommen. Besonders in Deutschland wurde der verspielte Sound schnell gefeiert: Laut Label rotierten die Singles bei NDR 2, Radioeins und Bayern 2. Eine weitere Single, „Mein Kopf will allein sein“, kletterte auf Platz 34 der deutschen Mainstream Airplay Charts. Im Mai ging es auf Tour nach Berlin, Hamburg und Bremen, im Herbst folgten Auftritte beim Reeperbahn Festival und beim Waves Vienna, dazu kam ein Gastspiel im ZDF-Morgenmagazin. Läuft also schon richtig gut, für eine Formation, die es gerade einmal zwei Jahre gibt.

Das Debütalbum „Nicht von dieser Welt“ lässt den Erfolg auch nachvollziehen. Die zehn Tracks sind von einer angenehmen Leichtigkeit durchzogen, die ein echtes Hörvergnügen auslöst. Klar, man kann die Einflüsse von Wir sind Helden oder Von Wegen Lisbeth kaum überhören, sehr viele der Tracks machen Pastiche-Vergleiche unvermeidbar. Aber unter den bekannten Mustern schlummert Talent, das glücklicherweise auch durchscheinen darf. Vor allem textlich kann man ein durchgängig hohes Niveau vorweisen, die Texte sind sicherlich das bisher größte Asset der Band.

Der Opener „Wenn du dann weg bist“ fällt jedenfalls noch eindeutig in die Kategorie der von Wir sind Helden inspirierten Songs: Lockere Stimmung, abwechslungsreiches Instrumental mit Synth-Passagen, Gitarren-Akzenten, Breaks und vor allem Biancas Text, der das Lied definiert: Zu frühes Oversharing, das doch recht schnell bereut wird, weil man nicht mal den Namen des Gegenübers kennt. Ziemlich bitter, hier aber mit gelungenem Witz und einer Prise Selbstironie vorgetragen – es ist bitter, wenn man „die mit ihrem Herz auf der Zunge“ ist, aber dafür kommt ein schöner Refrain raus, den man schnell mitsingen möchte.

Davon bekommt man auf dieser Platte sehr viele. Janka können definitiv Songs schreiben, die im Ohr bleiben und dafür gemacht sind, dass sie von einer großen Menschenmenge mitgesungen werden. „Magentamann“ wird ein bisschen ernster im Hauptteil, hat aber immer noch diese kleine Euphorie dabei, die sich gar in einer kurzen Variation von Pachelbels „Kanon und Gigue in D-Dur“ auflöst. Das steht im krassen Gegensatz zum besungenen Geghostet-Werden, das durch eine Bläser-Sequenz vertont wird. „Ich lass mir das nicht länger gefallen“ singt Bianca ruhig, aber bestimmt – wirklich aggressiv ist hier zwar nichts, trotzdem glaubt man ihr. Demgegenüber steht „Nicht alleine in der U-Bahn“, wo das frische, vermutlich auch überraschende Verliebtsein im Zentrum steht und man endlich nicht mehr alleine auf die Bildschirme in den Öffis schauen muss. „Es muss nicht für immer sein, aber etwas davon bleibt“ – im Moment fühlt sich’s gut an, also schauen wir mal, dann seh’ ma ja. Der Track bleibt wieder im Ohr, trotzdem wird das Gefühl nicht kleiner, dass man gerade in den ersten Nummern des Albums eher dem Versuch einer Wir-sind-Helden-Kopie lauscht als den tatsächlichen musikalischen Ideen von Janka.

© Dino Bossnini

Die kommen dann aber zum Glück direkt im Anschluss mit „Papas Pulli“: Ein Track über Materialismus, sehr antreibend gestaltet, mit Stimmverzerrer, mehr Raum für instrumentale Passagen samt Tempowechsel. Hier gibt es eine spannende Variabilität, die die Identität von Janka darstellen könnte: Schriller, dynamischer, mutiger. Darauf sollte in Zukunft mehr Augenmerk gelegt werden. Auch wenn die deutlich im Von-Wegen-Lisbeth-Playbook getränkten „Mein Kopf will allein sein“ oder „Tiefkühlpizza“ ihren Charme haben und man sich in den bittersüßen, romantischen Hauptteilen gut fallen lassen kann, ist der Aufbau ein wenig zu vorhersehbar.

Ein Feature gibt’s in Form von „Alien“ auch, hier ist Mary Mabu dabei, die die dritte Strophe beisteuert. Das Lied legt die sanften Stimmungen der vorangegangenen Tracks ab und übt sich in mysteriöseren, gespenstischen Soundbildern. Der Track nimmt damit den Albumtitel „Nicht von dieser Welt“ beim Wort: Der Song über das Anderssein fällt am meisten aus dem Rahmen, hat aber auch mit ein paar Längen zu kämpfen, vor allem im letzten „Alien, Alien, Alien“-Part. Das ist schade, weil Janka hier wieder die Komfortzone verlässt, sich aber nicht ganz orientieren kann.

Bei „Danke für die Einladung“ laden die schnelle Gitarre und die verspielten Keys zum Tanzen ein, auch wenn die Social Battery schon leer ist: „Ich bin heute nur gekommen, weil man das so macht“ ist fast schon zu schonungslos offenbarend, trifft aber den Kern von demotivierten Partyabenden ziemlich genau. Ob Bianca wirklich schon nach einer Stunde wieder gegangen ist, bleibt offen – normalerweise sind die Abende, an denen man so gar nicht will, dann doch die besten. Dieses Lied jedenfalls versprüht sehr viel gute Laune.

Janka haben durch Carole Bidaine einen kleinen Cheatcode in den eigenen Reihen: Man kann eine triumphale Posaune mit Indie-Rock verknüpfen und dann ein Brett wie „Bitte geh“ produzieren. Die Bläser stehen für das Dramatische, das der Text transportiert, die Ironie, die die Platte sonst trägt, fällt komplett weg. Bianca fleht hier eine Freundin an, nicht wieder in eine missbräuchliche Beziehung zurückzukehren. Durch die unterschiedlichen instrumentalen Komponenten und eine geschickte Zuspitzung zum Ende wird das Lied zu einem Highlight der Platte.

Der Closer „Zeit anhalten“ bringt schließlich noch eine neue Facette ins Spiel: Pop-Rap im Stil von Fiva MC. Enorm lieblich, warm und textlich schön – aber eben auch Fiva MC und nicht Janka.

Unterm Strich ist „Nicht von dieser Welt“ ein gelungenes Deutsch-Pop-Album geworden. Janka haben Potential, nicht zuletzt aufgrund der lyrischen Stärke und der interessanten Bandkonstellation, und lösen sich zukünftig hoffentlich noch ein wenig mehr von ihren logischen musikalischen Vorbildern. Ein schönes, niedliches Debüt.

Schwache 7/10

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